Da war das Besteck drin

Da war das Besteck drin

„Fresh steamed food.“ Ich bin mal so frech und hänge noch etwas dran an den Slogan vom Qivasou: „Fresh steamed food for people in fresh steamed shirts!“ Ach ja, damit Google uns auch findet, noch ein paar potenzielle Vertipper: Quivasu, Quiwasou, Quiwasu!Eine echte Business-Location, wieder mal im Lounge-Stil. Positiv stechen heraus: grüne (Kunststoff-)Lederbezüge und eine mit Moos und Farn begrünte Wand! Durchaus stilvoll, gerade im Vergleich zur Asia-Konkurrenz in der näheren Umgebung. Aber von wegen Asia: Die Eigendefition der Qivasou-Küche lautet „pazifisch-international“.

Diese Küche ist – noch? – weniger profiliert als das Ambiente: Das Rindercurry von der Tageskarte (7 Euro) schmeckt fad. Das Fleisch war überhaupt nicht eingelegt, die Soße geschmacklos, das Gemüse aber frisch. Die Nudelgerichte (6 bis 8 Euro) kamen besser weg. Und der Garnelen-Chicken-Burger bräuchte halt doch etwas Fett, um nicht undefinierbar zu schmecken.

Bestellt und bezahlt wird nach dem Coffeeshop-Prinzip. Dann gibt’s ein leeres Tablett mit Mini-Gerät drauf. Der Ober soll damit den Gast finden, der zum fertigen Essen passt. Das klappt nicht immer: Einem Herr an unserem Tisch wird hartnäckig Pasta mit Zitronengras-Pesto vor die Nase gehalten, obwohl er immer wieder betont: Ich bekomme Chicken Curry. Dann mischt sich ein Herr vom Nachbartisch ein; er habe Zitronengras-Pesto bestellt. Eigentlich ist das „einzigartige Lokalisierungs-System“ (Pressemitteilung) überflüssig in einem Lokal dieser Größe. Die Stammkunden rekrutieren sich derzeit schätzungsweise aus dem McKinsey-Nachwuchs, dessen monatlicher Geldsegen noch nicht ganz so groß ist.

Auch das Qivasu soll mal viel Geld abwerfen – für die Kasse von Wiesn-Wirt Schottenhammel. Die Website spricht großspurig von einer „new world of food“. Dann muss „Enter“ gedrückt werden. Genau, mittlerweile sind wir auf der Website.
Die wirklich interessanten Sachen stehen aber erst in einer Pressemitteilung auf einer PR-Website:

„Michael Schottenhamel setzt mit diesem Standort den ersten Schritt beim Aufbau einer neuartigen Systemgastronomie.“

Noch ein Zitat:

„Nach eineinhalb Jahren Arbeit am Konzept entstand im Herbst 2007 die QIVA GmbH. Ihr Gründer Michael Schottenhamel, Geschäftsführer der Schottenhamel Festhalle auf dem Oktoberfest in München, betreibt auf dem Gelände der Lenbachgärten unter anderem die Kantine einer großen amerikanischen Unternehmensberatung und „Die Speiseagentur“, eine anspruchsvolle Cateringagentur. Als nächster QIVASOU Standort in München wird die Gastronomie der „Neuen Pinakothek der Moderne“ relisiert.

Presseberichten zufolge ist in absehbarer Zeit eine dreistellige Zahl an Filialen geplant. Mal sehen, ob es genug Kunden gibt, die in stimmungsvollem Ambiente zumindest lecker klingende Sachen essen wollen. Sicher gehört zum Konzept, dass diese Sachen nicht dick machen sollen. Aber vielleicht ist es ja auch Absicht, dass sie vorher auch schon nicht so richtig Appetit machen.

INFO

Qivasou
Karlstraße 27
In den Lenbachgärten
Gegenüber St. Bonifaz

Bilder:
http://www.gastroguide-muenchen.de/restaurants/res2_pic_qivasou.htm

Website:
http://www.qivasou.com/

Pressemitteilung:
http://www.presseanzeiger.de/meldungen/mode-lifestyle/257259.php

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